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Tourismus und Landwirtschaft

Gegner oder Partner? Beide brauchen einander, teilweise funktioniert die Zusammenarbeit gut, teilweise ist sie ausbaufähig, manchmal geht sie auch gar nicht zusammen. Ein Symposion des „Club Tourismus“ beleuchtete das Thema von allen Seiten.

Die Landwirtschaft in Österreich hat Probleme: Es gibt immer weniger Betriebe, aber die werden immer größer. Wachse oder weiche ist die gnadenlose Alternative. Das hat viel mit der EU-Förderung nach Fläche zu tun. Experten raten, die Landwirte sollten sich zusammentun und in die Offensive gehen: Wir produzieren die Lebensmittel, die ihr braucht: regional, saisonal, fair, bio! Das Problem: Viele kleine Landwirte scheitern an der Logistik, an der Verpackung ihrer Produkte, auch Direktmarketing und Ab-Hof kann nicht jeder, oft fehlen einfach die Ressourcen. Und dann noch Nächtigungen anbieten, wie sich das „Urlaub am Bauernhof“ idealerweise vorstellt? „Kleinteilige Landwirtschaft hat viele Vorteile, muss aber auch betreut werden“, sagt Andreas Schwarzinger vom Waldviertel Tourismus.

PRIVATQUARTIERE NEHMEN AB

Im Tourismus nehmen gewerbliche Betten zu, aber Privatquartiere ab. Immerhin: Im August 2021 zählte die Statistik Austria fast 1 Mio Nächtigungen und es heißt, dass nur ein Drittel der Nachfrage nach dieser Urlaubsform überhaupt befriedigt werden konnte. Auch die Almen gehen zurück, weil sie nicht mehr ökonomisch bewirtschaftet werden können. Wir brauchen aber die Almen, nicht nur als Ausdruck unserer typischen alpinen Landschaften, sondern auch ökonomisch: Als touristisches Angebot.

PROBLEM ALMWIRTSCHAFT

Und da gibt es wieder einen Teufelskreis: Die Almbesitzer klagen, dass ihr Besitz als Allgemeingut angesehen wird, das als touristisches Angebot genutzt wird – oft wenig respektvoll (Biker, arbeitende Bauern werden von Touristen als Störenfriede beschimpft) und ohne dass die Bauern finanziell etwas davon hätten. Milchviehhaltung draußen ist sehr aufwändig und die Bauern leiden unter dem Vorurteil, dass sie eh nur noch von den angeblich überreichen Förderungen lebten. „Der Bergbauer“, sagt Theresa Mitterer-Leitner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am MCI Management Center Innsbruck, „braucht die Alm. Sie ist sein Leben, sein Identifikationsraum, er will sie seinen Kindern bewahren, wie er sie von seinen Eltern übernommen hat. Und er will weniger Tourismus.“

Die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus muss noch enger werden.

Da laufen also Entwicklungen gegeneinandner: Der Tourismus und die Bewohnerinnen und Bewohner brauchen die Alm als Naherholungsraum. Aber ohne eine Bewirtschaftung bekommen sie nur noch einen unauthentisches Disneyland, wenn überhaupt. Deshalb fordert Mitterer-Leitner: „Der Erhalt der Almwirtschaft muss prioritär VOR die touristische Nutzung gestellt werden.“ Und der Almbesitzer sollte für die touristische Nutzung eine Abgeltung bekommen.

ERFOLGREICHES VORZEIGEPROJEKT: SALZBURGER BAUERNHERBST

Positives Gegenbeispiel seit vielen Jahren: der Salzburger Bauernherbst. Im Salzburger Land gibt es (noch) 9500 landwirtschaftliche Betriebe, davon die Hälfte im Nebenerwerb (also eher gefährdet). Dem stehen 9500 Tourismusbetriebe gegenüber – einige davon auch als Mischform zwischen Landwirtschaft und Tourismusbetrieb, eher auch gefährdet, weil schwer zu organisieren. Aber der Bauernherbst hilft diesen Betrieben, indem er Werbung für sie macht und ihnen (potenzielle) touristische Kunden zuführt. Die allgemeine und auch touristische Nachfrage nach regionalen Produkten steigt, das Interesse am Handwerk ebenso. Diese Nachfrage befriedigt der Bauernherbst vorbildlich und erfolgreich, 80 Orte machen mit.

Vor drei Jahren hat das Land Salzburg ein eigenes Herkunftszeichen eingeführt: „Lebensmittel aus unserer Region“, das geht in die gleiche Richtung, stärkt die regionale Landwirtschaft, 1300 Produkte im Handel tragen mittlerweile dieses Label. Wo bleiben die anderen Bundesländer?

SALZBURGER ALMSOMMER UND VIA CULINARIA

Es gibt auch einen Salzburger Almsommer, der Ausflüge auf die noch bewirtschafteten Almen bewirbt. Dieses „Almerhaltungsprogramm“ (Tourismuschef Leo Bauernberger) gibt es auch schon seit 17 Jahren, 2000 Almen machen mit. Und dann noch die Via Culinaria: So etwas wie die Käsestraße im Bregenzerwald oder die Weinstraßen im Weinviertel: Sie hat Köche und Bauern zusammengebracht, Lieferpartnerschaften begründet. 2022 soll der BioArtCampus im Biodorf Seeham eröffnet werden. Salzburg setzt also voll und erfolgreich auf die Zusammenarbeit von Tourismus und Landwirtschaft.

DER FOODTRAVELLER

Jeder zweite Tourist ist ein „Food Traveller“ weiß Klaus-Peter Fritz, Gastronomy Research, FH Wien der WKWien. „Österreich am Teller“ könnte ein Erfolgsrezept für die Zukunft sein. Die Gastronomie mache Regionalität zugänglich, sie ist der Schlüssel, sie schafft Nachfrage, stärkt gute Preise, kann diese Preise mit dem richtigen Storytelling an ihre Kundschaft weitergeben und damit auch den Zusammenhalt des eigenen Teams stärken. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dann nicht nur stolz auf ihren Betrieb, sondern auch auf ihren Ort, in dem sie ja oft wohnen. Schaut her: Wir sind wer, zu uns kommen die Leute aus nah und fern, weil wir so ein tolles Angebot haben. Der Weg zu dieser Einstellung kann oft lang sein, wie mir der langjährige Tourismuschef von Istrien erzählt hat. Es hat lange gebraucht, die istrischen Bauern und Gastronomen von ihren eigenen Produkten zu überzeugen, angefangen beim Wein über Olivenöl bis hin zur Kulinarik.

ERLEBTE KULINARIK

Man könnte Österreich als Kulinarikdestination wirklich erlebbar machen und damit auch die Strategie aus dem Plan T umsetzen. Besonders gelungene Beispiele für erlebte Kulinarik ist der Sautanz von Max Stiegl in Gut Purbach am Neusiedler See, das Karpfenabfischen im Waldviertel, die Martini-Gansl-Wochen im Burgenland, Weinfeste mit offenen Kellertüren in der Steiermark, Schaukäsereien im Bregenzer Wald, die Slow Food Region in Kärnten, winterliche Huskietouren im Waldviertel. Und am Stubaier Gletscher hätte das Gourmet-Festival Dine & Wine im Jänner 22 bereits sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert – pandemiebedingt wurde das Event verschoben.

Vieles wird schon sehr gut gemacht, vieles wäre noch möglich. Ein Blick nach Süden ins Friaul könnte Inspirationen liefern, die sind da schon ein paar Schritte weiter: zum Beispiel in der Kombination von Kultur, hochstehender Kulinarik und Regionalität. Auch das Konzept Albergo diffuso kommt aus (Süd)Italien: Ein ganzes (vorher sterbendes) Dorf arbeitet zusammen, funktioniert wie ein Hotel. Im Gasthaus ist die Rezeption, die Touristen werden an die Albergi vermittelt, also Privatquartiere im Dorf. Auch um das kulinarische Angebot wird sich zentral gekümmert, häufig gibt es einen gemeinsam betriebenen Delikatessenshop mit guten lokalen Produkten.

WEINERLEBNISSE

Kultur und Kulinarik verbindet man bei uns zum Beispiel beim Schrammelklangfest in Litschau: Die Musiker spielen auf „Naturbühnen“ (z.B. im Wald) rund um den Herrensee, benachbarte Bauern bieten ihre Produkte an. Im Kamptal bietet man seit einem Jahr „Kultur beim Winzer“ an: 26 Veranstaltungen bei 26 Winzern und zählte im 1. Jahr 3000 Besucher. Aber auch hier gilt: Nicht jeder Winzer ist auch ein guter Touristiker. Der hat auch anderes zu tun, als jeden Tag radelnde Vinophile zu bespielen. Und was hat er davon? Vielleicht (!) kaufen die auch einen Wein von ihm. Vermutlich haben sie ihn aber beim nächsten Winzerentertainment schon wieder vergessen. Ökonomisch sinnvoller wäre so ein Weinerlebnis als Betriebsausflug für Unternehmen zu bewerben und zu organisieren: Dann lohnt sich der Aufwand und gekauft wird vermutlich auch etwas.

HOGAST.REGIO-MARKTPLATZ

Übrigens: Vor ca. 3 Jahren hat die HOGAST den Online-Marktplatz HOGAST.REGIO ins Leben gerufen und unterstützt damit die kleinstrukturierte, familiengeführte Landwirtschaft auf der einen und die HOGAST-Mitgliedsbetriebe aus der Hotellerie und Gastronomie auf der anderen Seite. Eine wachsende Zahl an heimischen Lebensmitteln findet hier ihren Weg auf die Teller der Gäste: https://www.hogast.at/regio

Bilder: Pixabay
Beitrag: Thomas Askan Vierich
13. Dezember 2021
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